In einer kleinen Küstenstadt mit bunten Häusern lebte ein Mädchen namens Emma. Emma liebte ihre Spielsachen sehr. Sie stellte sie ordentlich ins Regal, gab jedem einen Namen und sagte ihnen vor dem Schlafengehen „Gute Nacht“. Am liebsten spielte sie mit ihrem kleinen rot-blauen Zug. Sie ordnete die Waggons sorgfältig und stellte sich lange Reisen vor.
An einem Sommertag kamen Emmas Onkel, seine Frau und ihr zweijähriger Sohn Ben zu Besuch. Ben hatte gerade erst laufen gelernt. Neugierig wollte er alles anfassen, was er sah.
Emma freute sich sehr über ihren kleinen Cousin.
„Spielst du ein bisschen mit Ben in deinem Zimmer?“, fragte ihre Mutter.
„Ja, gerne!“, antwortete Emma.
Sie zeigte Ben ihre Bauklötze, ihren Stoffhasen und schließlich ihren Lieblingszug. Bens Augen leuchteten. Sofort griff er danach.
Emma zögerte kurz. Der Zug war ihr wertvollstes Spielzeug. Dann lächelte sie und gab ihn Ben.
Ben schob den Zug über den Boden und begann, die Waggons auseinanderzuziehen. Plötzlich zog er zu fest. Der vordere Teil der Lok brach ab.
Emmas Herz klopfte schnell. Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie begann zu weinen.
Ben verstand nicht, was passiert war. Er erschrak und fing ebenfalls an zu weinen.
Die Erwachsenen kamen ins Zimmer und beruhigten beide Kinder. Emmas Mutter wischte ihr die Tränen ab.
„Ben ist noch sehr klein“, sagte sie sanft. „Er weiß noch nicht, wie man mit Spielsachen vorsichtig umgeht. Du warst früher genauso.“
Ihr Onkel lächelte. „Spielzeug kann man reparieren. Aber die Beziehung zu deinem Cousin ist viel wichtiger.“
Emma dachte nach. Sie wusste, dass Ben es nicht absichtlich getan hatte. Er wollte nur entdecken.
Während Ben einschlief, legte Emma ihren Zug auf den Tisch. Ihre Mutter reparierte die Lok mit etwas Klebeband und Kleber. Als der Zug wieder ganz war, hellte sich Emmas Gesicht auf.
Als Ben aufwachte, reichte Emma ihm den Zug erneut. Dieses Mal hatte sie keine Angst mehr, dass er kaputtgehen könnte.
Denn sie hatte etwas Wichtiges gelernt: Spielsachen können kaputtgehen und wieder repariert werden. Aber Liebe und Geduld sind viel wertvoller.
Von diesem Tag an teilte Emma ihre Spielsachen mit mehr Ruhe und Verständnis. Und jedes Mal, wenn der Zug eine kleine Reparatur brauchte, sagte sie lächelnd: „Das ist nur ein neues Abenteuer.“